Experten-Talk – Kulturwandel – Mensch und Governance im Fokus
Shownotes
In dieser Experten-Analyse besprechen wir:
• Die Architekturlethargie: Warum perfekt aufgebaute Cloud-Architekturen ohne Nutzerakzeptanz zur digitalen Stillleben-Ruine werden
• Angst vor Obsoleszenz: Wie Automatisierung bei Mitarbeitern Unsicherheit und Widerstände auslösen kann und wie Führungskräfte konstruktiv damit umgehen
• Vom Flaschenhals zum Turbo: Wie aus passiven Anwendern selbstwirksame Citizen Developer werden
• Betriebsrat & DSGVO als Enabler: Warum die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten Vertrauen schafft und Veränderungen erleichtert
• Der reale ROI durch Micro-Wins: Warum viele kleine Verbesserungen im Arbeitsalltag häufig größere Wirkung entfalten als einzelne Großprojekte
• Die 100-Tage-Roadmap: Von der Initialzündung über Befähigung und Microlearning bis zur Skalierung im gesamten Unternehmen
Weiterführende Informationen
Diese Episode basiert auf unserem ausführlichen Fachbeitrag.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier: https://rohinie.com/kulturwandel-2026/
Transkript anzeigen
00:00:00: Du kennst doch sicher diese eine ähm extrem frustrierende Situation im Büro?
00:00:05: Oh ja, da gibt es einige.
00:00:07: Naja stellt dir vor das Unternehmen kündigt mit so einem riesigen internen Event an dass jetzt das goldene Zeitalter der Digitalisierung anbricht.
00:00:14: Ah!
00:00:15: Das klassische Kickoff
00:00:16: Genau.
00:00:17: Eine sündhaft teure brandneue Softwareplattform wird eingeführt.
00:00:21: Alle bekommen diese schicken Hochglanzpräsentationen.
00:00:25: Die IT-Abteilung feiert sich für die... für die markellose technische Umsetzung und die Vorstände klopfen sich fleißig auf die Schultern.
00:00:33: Und dann kommt die Realität!
00:00:35: Richtig, wir spulen mal so sechs Monate vor.
00:00:38: Du läufst an einem ganz normalen Dienstagmorgen durch die Gänge schaust auf die Bildschirme deiner Kollegen und siehst das absolut jeder heimlich weiter mit seinen alten fehleranfälligen Exel-Listen arbeitet.
00:00:49: Absolut
00:00:50: Listen, die mittlerweile Dateinahmen tragen wie Kunden Update V-Twelve Final wirklich jetzt Final
00:00:57: Ja, und wer der Kollege, der die komplexen Makros für diese eine Liste vor fünf Jahren geschrieben hat wird krank.
00:01:05: Oh Gott!
00:01:06: Dann steht in der Abteilung plötzlich die halbe Welt still?
00:01:09: Das ist die Realität in unglaublich vielen Unternehmen.
00:01:12: Und man fragt sich unweigerlich, warum passiert das selbst im Jahr auch noch?
00:01:18: Das war die große Frage.
00:01:20: Wir haben heutzutage künstliche Intelligenz, die halbe Romane schreibt.
00:01:24: Aber scheitern daran eine simple Urlaubs- beantragung vernünftig zu digitalisieren.
00:01:29: Wahnsinn eigentlich oder?
00:01:30: Total!
00:01:31: Und um genau dieses Mysterium zu knacken stürzen wir uns in unsere heutige tiefgehende Analyse.
00:01:37: Ich freue mich drauf.
00:01:38: Unsere Grundlage dafür ist ein extrem aufschlussreicher wirklich hochaktueller Artikel von Volker Bundrock.
00:01:44: Der Titel ist Kulturwandel Warum die Power-Plattform ohne Akzeptanz der Belegschaft wertlos bleibt.
00:01:52: Ein sehr starkes Stück,
00:01:54: finde ich auch!
00:01:55: Unsere Mission heute ist es herauszufinden warum Unternehmen Millionen Beträge in perfekte digitale Infrastrukturen pumpen, die dann als Geisterstätte enden und vor allem wie man den Hebel umlegt
00:02:09: Genau vom Dateneintipp Roboter zum aktiven Gestalter.
00:02:14: Richtig okay Lass uns das mal aufdröseln.
00:02:17: Warum bauen smartem Manager eigentlich im Jahr zwanzig noch digitale Geisterstädte?
00:02:24: Also Volker Bundrock hat für dieses Phänomen einen wunderbar treffenden Begriff geprägt, er nennt es die Architektur-Litergie.
00:02:31: Architektor-Littergie klingt sperrig aber passend!
00:02:35: Es ist auch.
00:02:36: Dahinter verbirgt sich ein massiver, aber eigentlich ganz klassischer Denkfehler.
00:02:42: Entscheider betrachten die Digitalisierung und jetzt im Speziellen die Einführung mächtiger Werkzeuge wie der Microsoft Power Platform fast ausschließlich durch die technische Brille.
00:02:52: Das wird dann als reines IT-Projekt abgestempelt.
00:02:55: Vorwürtt minutiös geplant, aber die wichtigste Variable in dieser ganzen Gleichung wird schlichtweg vergessen.
00:03:03: Demensch.
00:03:03: Exakt!
00:03:04: Der Mensch, die Person, die am Ende des Tages an diesem Schreibtisch sitzt und das Werkzeug in ihrem stressigen Arbeitsalltag auch nutzen soll.
00:03:15: Das beschreibt der Artikel fantastisch zum Beispiel der Dachregion, also Deutschland, Österreich, Schweiz.
00:03:20: Wo der Perfektionismus ja ohnehin regiert?
00:03:22: Richtig!
00:03:24: Hier fließen schnell mal sechsstellige Beträge um eine wie Bundruckes nennt technologische Kathedrale zu errichten.
00:03:31: Die IT baut in monatelange Arbeit unglaublich komplexe Verbindungen zu den alten SAP-Systemen, definiert die strengsten Sicherheitsrichtlinien der Welt und am Ende herrscht das Schweigen im Dataverse.
00:03:46: Das Dataverse ist ja quasi dieser gigantische zentrale Datentresor im Hintergrund, indem eigentlich das Herz des Unternehmens schlagen sollte.
00:03:55: Aber es schlägt nicht!
00:03:57: Am Montagmorgen zeigt das Analyse-Dashboard schlichtweg null aktive Nutzer.
00:04:01: Ja und dieses Schweigen entsteht durch diese fatale Illusion der Führungsetagen, man könnte das als das Build it and they will come Prinzip bezeichnen
00:04:11: Also nach dem Motto wir stellen es hin und die Leute kommen von alleine
00:04:14: Ganz genau!
00:04:15: Die Annahme lautet wenn wir nur eine technisch perfekte Plattform hinstellen werden die Leute schon magisch anfangen sie zu nutzen.
00:04:23: Die IT liefert da eine beeindruckende, hoch-sichere Infrastruktur.
00:04:28: Aber das reicht nicht?
00:04:29: Nein!
00:04:29: Weil sie nicht die exakte Lösung für das winzige sehr spezifische Alltagsproblem liefert und auch gar nichts liefern kann – denken wir mal an die Sachbearbeiterin im Vertrieb oder den Logistiker im Lager.
00:04:41: Die IT kennt deren tägliche Schmerzpunkte doch gar nicht im Detail.
00:04:44: Eben.
00:04:45: Weißt du?
00:04:46: Das ist in Grunde so als würde ein Unternehmen eine gigantische, hochmoderne und vollautomatisierte Fabrik bauen.
00:04:52: Alles glänzt, die Roboterarme stehen bereit.
00:04:55: Aber anstatt den Arbeitern zu erklären wie sie die Maschinen für ihre speziellen Aufträge programmieren können schließt das Management die Fabriktore ab behält die Schlüssel und verlangt von ihnen Mitarbeitern dass Sie Ihre Anweisungen auf kleinen Zetteln durch eine Schlitzende Tür schieben.
00:05:10: Ja exakt!
00:05:11: Die Plattform ist ja eigentlich nicht als geschlossene Festung gedacht sondern als offene Werkbank für alle.
00:05:16: Was hier wirklich faszinierend isst.
00:05:19: Das bringt uns zum Kern des Problems der sogenannten letzten Meile.
00:05:24: Wir reden bei der Power-Plattform ja nicht über eine starre Standardsoftware, wo das ganze Unternehmen dieselbe graue Maske ausfüllen muss.
00:05:32: Sondern?
00:05:33: Wir reden hierüber Low Code!
00:05:35: Das kann man sich vorstellen wie digitale Lego Bausteine.
00:05:38: Man muss nicht mehr kompliziert programmieren können – man zieht sich auf dem Bildschirm logische Bausteinen zusammen um eine App zu bauen.
00:05:46: Klingt eigentlich super simpel….
00:05:47: Ist es auch?
00:05:48: Wenn die IT-Architektur aber so star und restriktiv gebaut ist, dass sie den Fachabteilungen null Flexibilität für Anpassungen lässt, passiert nur eines.
00:05:58: Die Leute weichen wieder aus!
00:06:00: Ab
00:06:00: in die Schatten-IT.
00:06:01: Genau – zurück in die schatten IT.
00:06:03: Das ist ja ein super Stichwort, das es quasi diese heimliche Untergrundwirtschaft eines Unternehmens?
00:06:10: Ja,
00:06:10: das passiert täglich.
00:06:11: Der
00:06:12: USB-Stick, der von Schreibtisch zu Schreibtish wandert.
00:06:15: Die privaten Clouddienste oder eben diese wilden Echselkonstrukte, von denen die offizielle IT-Abteilung gar nichts weiß.
00:06:23: Weil die Mitarbeiter ihre Probleme irgendwie lösen müssen!
00:06:26: Wenn du den Handwerker in deiner Firma nicht zeigst wie sie den neuen elektrischen Hammer sicher bedienen und ihn stattdessen in einen Glaskasten sperrst...
00:06:33: Dann nehmen Sie halt den alten Hammer.
00:06:35: Richtig dann kramen Sie wieder ihren alten rostigen Hammer aus der Schublade.
00:06:39: Aber warte mal, hier muss ich doch die Perspektive wechseln.
00:06:42: Wir wissen alle dass diese neuen Technologien die Arbeit objektiv gesehen unfassbar viel einfacher machen könnten.
00:06:49: Keine endlosen Copy-Paste-Orgien mehr!
00:06:51: Absolut.
00:06:52: Warum gibt es dann diesen extremen psychologischen Widerstand?
00:06:56: Liegt das nicht schlicht und ergreifend daran Dass wir Menschen Gewohnheitstiere sind?
00:07:00: Das
00:07:00: glauben viele.
00:07:01: Ich
00:07:01: meine jemand hat zwanzig Jahre lang auf dieselbe Art und Weise gearbeitet.
00:07:04: Da ist es doch viel bequemer einfach in der Komfortzone zu bleiben.
00:07:09: Das haben wir schon immer so
00:07:09: gemacht.
00:07:10: Ja, das ist genau der Reflex mit dem viele Manager dieses Problem abtun wollen.
00:07:14: So nach dem Motto die Leute sind einfach
00:07:16: zu faul.
00:07:16: Aber das stimmt nicht!
00:07:17: Nein, Bund Trock widerspricht ihm in seiner Analyse wie Herr Mann.
00:07:21: Es geht hier absolut nicht um pure Faulheit.
00:07:24: es geht um eine tiefgreifende Verschiebung der Machtverhältnisse und um echte existenzielle Ängste.
00:07:30: Existenzielle Ägste?
00:07:32: Der Nutzer ist plötzlich kein Passiser Befehlsempfänger mehr.
00:07:36: Er soll auf einmal zum Co-Designer seiner eigenen Arbeitsumgebung werden und das löst zwei sehr konkrete psychologische Blockaden aus.
00:07:44: Okay, welche sind das?
00:07:45: Die erste ist die kognitive Überlastung.
00:07:48: Stell dir vor du hast zwei Jahrzehnte in einem völlig starren System operiert.
00:07:53: Die wurde genau gesagt in welches Feld du welche Zahl eintragen musst.
00:07:57: Alles vorgegeben!
00:07:58: Und jetzt gibt man dir diese digitalen Lego-Bausteine und sagt, bau dir deinen Prozess doch einfach selbst.
00:08:05: Für jemand ohne IT-Hintergrund wirkt die plötzliche grenzenlose Freiheit nicht wie eine Befreiung – das ist massive Überforderungen!
00:08:13: Ja, diese plötztliche Verantwortung kann lebend sein…und dann gibt es noch diese zweite Angst, die mir beim Lesen des Artikels wirklich hängen geblieben ist.
00:08:21: Die Angst vor der Obsolescence?
00:08:23: Genau …die Sorge sich selbst überflüssig zu machen.
00:08:26: Bunddruck hat da dieses unfassbar greifbare Beispiel aus der Praxis.
00:08:30: Ein Mitarbeiter aus der Verwaltung baut sich einen kleinen Automatisierungsflow,
00:08:34: ein Klassiker!
00:08:35: Früher
00:08:36: hatte jeden Freitag nachmittags drei Stunden damit verbracht Daten aus drei verschiedenen Systemen manuell zusammenzusuchen abzutippen und in einen Bericht zu kopieren.
00:08:47: Jetzt drückte auf einen Knopf Und das System erledigt die exakt gleiche Arbeit fehlerfrei.
00:08:52: in drei Sekunden Ja, aber in diesem Moment spürt er natürlich Freude.
00:09:00: Aber direkt danach kommt der Schock!
00:09:02: Er fragt sich was mache ich jetzt mit den restlichen zwei Stunden und neunundfünfzig Minuten?
00:09:07: Richtig Wenn eine simple App mein Job machen kann Wofür bezahlt mich dieses Unternehmen dann noch?
00:09:13: Bin ich morgen meinen Job los?
00:09:15: Und genau an diesem Punkt entscheidet sich der Erfolg oder Misserfolg des gesamten Kulturwandels.
00:09:21: Wenn du als Unternehmen diese existenzielle Angst ignorierst, wird der Nutzer aus reinem Selbstschutz zum Flaschenhals.
00:09:29: Geblich
00:09:29: nicht funktioniert?
00:09:30: Er wird behaupten die Datenqualität sei zu schlecht oder der alte Prozess sei irgendwie sicherer?
00:09:37: Aber wenn du diese Angst moderierst – wenn du dem Mitarbeiter klar machst dass dieser Automatisierung ihn nicht ersetzt sondern ihn von der geistigen Abstumpfung befreit damit er sich um strategischere Aufgaben kümmern kann
00:09:50: Dann ändert sich alles.
00:09:52: Dann verwandelst du diesen Menschen, er wird vom Flaschenhals zum Turbo für dein Unternehmen
00:09:57: Weil es plötzlich um Selbstwirksamkeit geht.
00:10:00: Die Mitarbeiter spüren dass sie nicht mehr Opfer der Umstände sind sondern das sie den Hammer selbst in der Hand halten.
00:10:06: und dann kommen diese Innovationsimpulse nicht mehr als fremde Anweisung von oben aus dem Elfenbeinturm der IT.
00:10:12: Sie entstehen direkt bottom ab also unten aus der Fachabteilung heraus
00:10:16: Und die passen dann auch.
00:10:18: Genau, weil die Lösung, die der Vertriebler sich selbst baut zu hundert Prozent auf den gelebten Alltagsprozess passt.
00:10:25: und schon wird er klassische Sachbearbeiter zum sogenannten Citizen-Developer.
00:10:31: Ein superwichtiges Konzept!
00:10:32: Also
00:10:32: zum Bürgerentwickler, der ohne Informatikstudium Software baut.
00:10:36: Er wird praktisch zum Architekten seiner eigenen Abteilung.
00:10:40: Und dieses Konzept erzeugt eine unglaubliche Eigendynamik Wenn der Kollege am Nachbartisch plötzlich Freitagsfrüher ins Wochenende gehen kann, weil seine App den Bericht generiert während er noch Kaffee trinkt.
00:10:51: Das fällt auf!
00:10:52: Oh ja das sehen die anderen...das erzeugt einen Aha-Moment und einen enormen Sog.
00:10:57: Die denken sich Moment mal wenn der das hinkriegt dann will ich das auch.
00:11:01: Okay das klingt alles nach einem wunderbaren Märchen Aber da schrillen bei mir sofort die Alarmglocken.
00:11:07: Wieso?
00:11:08: Lass uns mal Werlistes sein.
00:11:10: Wenn jetzt plötzlich jeder vom Buchhalter bis zur Marketingpraktikantin anfängt, wilde Apps zu bauen und Prozesse zu automatisieren, enden wir dann nicht geradewegs im totalen IT-Chaos?
00:11:22: Ah die Angst vor dem Spaghetti Code.
00:11:24: Ja ich sehe schon Berge von unlesbarem Code, versehentlich gelüchte Datenbanken und ein völliges Desaster für die Unternehmenssicherheit!
00:11:33: Wie um alles in der Welt soll eine IT Abteilung dieses kreative Chaos
00:11:37: kontrollieren?!
00:11:38: Das führt uns direkt zum sogenannten Paradoxon der Kontrolle.
00:11:41: Das ist exakt der Moment, in dem die klassische IT in Panik verfällt!
00:11:46: Und
00:11:46: was machen sie dann?
00:11:47: Sie versuchen diesen neuen Innovationsstrang mit extrem restriktiven Governance-Regeln – also internen Kontrollmechanismen abzuwürgen.
00:11:55: Bundruck beschreibt das sehr plastisch….
00:11:58: Also wieder Formulare ausfüllen?
00:12:00: Nur um einen simplen Urlaubsantrag zu automatisieren, dann stirbt die Motivation
00:12:05: sofort?!
00:12:06: Das kann ich mir vorstellen...
00:12:07: Die kreativen Köpfe kapitulieren und flüchten sofort wieder in ihre unsichere Schatten-IT unter dem Radar.
00:12:14: Governance darf also nicht funktionieren wie der Blitzer auf der Autobahn.
00:12:19: Der hinter dem Gebüsch steht, und jeden Versuch mal etwas Geschwindigkeit aufzunehmen, sofort knipst und bestraft – das erzeugt ja nur Angst!
00:12:27: Ein sehr treffender Vergleich.
00:12:28: Sie muss vielmehr wie die Leitplanke auf dieser Autobahn funktionieren, oder?
00:12:32: Die Leitplanke schreibt dir nicht vor ob du links- oder rechts fährst.
00:12:35: sie verhindert nur mechanisch dass du mit dem Auto in den Abgrund stürzt.
00:12:39: Einer Vorragendes Bild.
00:12:40: und wenn wir das mit dem großen Ganzen verbinden dann ist diese Leitblankenstrategie laut der Quelle der Mitabstand.
00:12:48: wichtigste Hebel um Vertrauen zu skalieren.
00:12:50: Vertrauen als Währung?
00:12:52: Genau!
00:12:52: Vertrauen ist die eigentliche Währungen im Jahr.
00:12:57: Wie das technisch aussieht, die Lösung liegt in sogenannten Center of Excellence Data Kits.
00:13:04: Das ist keine Polizeistation im Unternehmen sondern eher eine automatisierte Sicherheitszentrale.
00:13:10: Das System überwacht sich im Hintergrund selbst.
00:13:13: Wenn ein Mitarbeiter eine harmlose App baut, greift das System nicht ein.
00:13:18: Es schlägt erst Alarm und blockiert wenn wirklich eine rote Linie überschritten wird zum Beispiel wenn jemand versehentlich Kundendaten mit Twitter verknüpft.
00:13:27: Dazu kommen dann noch diese abgestuften Umgebung Diese Sandkästen.
00:13:31: richtig
00:13:31: Genau die!
00:13:32: Das sind abgetrennte Bereiche in denen die Mitarbeiter Wie in einem Sandkasten auf dem Spielplatz gefahrlos rumexperimentieren können.
00:13:41: Selbst wenn sie dort den größten digitalen Unsinn zusammenbauen, passierte echten Datenbanken nichts.
00:13:46: Sie können schlichtweg nicht kaputt machen!
00:13:49: Und
00:13:49: Bundrock schlägt ja auch diesen Guardrail-Dialog vor.
00:13:52: IT und Fachabteilungen diktieren nicht mehr von oben her ab sondern definieren gemeinsam am Tisch wo diese Leitblanken stehen.
00:14:00: Der psychologische Effekt davon ist gigantisch.
00:14:02: Eine gute Governance gängelt den Mitarbeiter nicht, sie befreit ihn!
00:14:05: Sie nimmt dem Citizen-Developer nämlich die drückende Last der Haftung.
00:14:09: Er muss sich keine Sorgen machen.
00:14:10: Richtig – wenn ein Mitarbeiter weiß….
00:14:12: Die IT hat den Rahmen definiert und so lange das System nicht warnt bin ich sicher?
00:14:17: Dann traut er sich auch ….
00:14:18: Er darf innovativ sein ohne nachts wach zu liegen aus Angst dass er die Server lahm gelegt hat.
00:14:22: So wir haben jetzt also diese wunderbaren psychologischen Leitplanken….
00:14:27: Die Mitarbeiter trauen sich Aber wir beleuchten hierher speziell die Dachregion.
00:14:33: Oh ja, unser Lieblingsthema!
00:14:35: Und hier wird es wirklich spannend.
00:14:38: Denn in Deutschland, Österreich und der Schweiz reicht psychologische Sicherheit oft nicht aus – du brauchst absolute rechtliche Sicherheit.
00:14:47: Ohne die geht gar nichts….
00:14:49: Da stehen zwei massive Hürden im Weg, die jedes IT-Projekt am Montagvormittag gegen die Wand fahren lassen können ….
00:14:56: Der Datenschutz und der Betriebsrat.
00:14:58: Im Silicon Valley prächelt man das ja oft als Bürokratiemonster.
00:15:02: Wer diese Instanzen im Jahr, aber immer noch als Feinde betrachtet, begeht laut Bundtrock einen katastrophalen strategischen Fehler.
00:15:11: Also umarmen statt bekämpfen!
00:15:14: Du
00:15:14: musst sie zu deinen stärksten Multiplikatoren machen.
00:15:18: Fangen wir mal beim Datenschutz an der DSGVO... Wenn Lieschen Müller aus der Buchhaltung eigene Apps baut, die auf Daten zugreifen bekommt.
00:15:25: Der Datenschutz beauftragte natürlich Schnappatmung.
00:15:27: Völlig verständlich!
00:15:28: Absolut
00:15:30: Die Lösung hier nennt sich Privacy by Design also Datenschutzz durch Technikgestaltung.
00:15:34: Und wie funktioniert das in der Praxis?
00:15:36: Über sogenannte Data-Loss Prevention Richtlinien.
00:15:39: Man stellt die Technik so ein dass bestimmte Datenflüsse mechanisch unmöglich sind.
00:15:43: man definiert einfach sensible HR-Daten dürfen dieses System niemals verlassen.
00:15:48: Harte technische Regel.
00:15:50: Genau, versucht der Mitarbeiter jetzt diese Daten in eine ungesicherte E-Mail zu packen?
00:15:55: Blockiert die Plattform das!
00:15:56: Der Vorgang lässt sich nicht speichern.
00:15:58: Das überzeugt den Datenschützer?
00:16:00: Klar – wenn du ihn zeigst dass das hundertmal sicherer ist als die alten unverschlüsselten Exelisten per Mail dann wird der Datenschitzer vom Kritiker zum besten Verbündeten deines Projekts.
00:16:13: Und beim Betriebsrat ist die Mechanik ja verblüffend ähnlich.
00:16:16: Sobald man eine Software ausrollt, die festhalten könnte wann sich jemand einloggt steht der Betriebesrat auf den Barrikaden.
00:16:22: Stichwort Verhaltenskontrolle
00:16:24: Das böse V-Wort Ja
00:16:26: Aber die Quelle sagt Dreh die Argumentation einfach um Sprich über den menschlichen Mehrwert.
00:16:31: Der Betriebersrat ist eigentlich die Lebensversicherung für so einen Kulturwandel
00:16:35: Ganz genau.
00:16:37: Was ist das Ziel eines Betriebsrates?
00:16:39: Er will die Mitarbeiter schützen, also argumentierst du mit diesem Schutz.
00:16:43: Klingt logisch!
00:16:44: Ein durchdachtes Automatisierungsprojekt ist die beste Burnout-Prävention, die ein Unternehmen haben kann.
00:16:50: Es nimmt den Leuten die Monotonen seelenfressenden Routineaufgaben ab
00:16:54: Das ständige Abtippen.
00:16:56: und noch wichtiger Wenn Du einen Sachbearbeiter zum Citizen Developer machst betreibst Du massive Zukunftssicherung.
00:17:03: Sein Marktwert steigt enorm.
00:17:05: Er profitiert von der Digitalisierung, holst du den Betriebsrat mit dieser Vision ins Boot?
00:17:10: wird er das Projekt intern verteidigen?
00:17:12: Das trifft den Nagel auf dem Kopf – besonders in unserer Region.
00:17:16: Niemand fängt wild an Software zu bauen wenn er dafür abgemahnt werden könnte.
00:17:20: Eben
00:17:21: Erst wenn das rechtliche dürfen durch eine vom Betriebesrad abgesignete Spielwiese geklärt ist entsteht das eigentliche Wollen Formelle Absicherung als Fundament für Innovation.
00:17:32: Das ist die perfekte Überleitung.
00:17:33: Wir haben die psychologische Sicherheit, das rechtliche Go?
00:17:37: Aber es gibt noch eine letzte Türsteher-Instanz….
00:17:40: …das
00:17:40: Controlling!
00:17:41: Oh ja – das Geld!
00:17:43: Wer bezahlt das alles?
00:17:44: und lohnt sich das
00:17:45: überhaupt?!
00:17:45: Der berüchtigte Return on Investment.
00:17:48: Das Controlling schaut auf die Lizenzchen für Zehntausende Euro und fragt eiskalt wann haben wir das Geld wieder drin?
00:17:55: Und oft wird das an völlig veralteten Maßstäben gemessen
00:17:59: Leider Ja.
00:18:00: Da wird dann geschaut, ob die IT jetzt weniger Support-Tickets abarbeiten muss.
00:18:04: Aber das ist doch der völlig falsche Ansatzpunkt!
00:18:06: Das echte wirtschaftliche Potenzial liegt in der massenhaften Skalierung in den Fachabteilungen.
00:18:12: Bundrock macht dazu eine verblüffend simple Rechnung auf.
00:18:15: Man darf nicht nach dem einen Millionenprojekt suchen – man muss die MicroWins summieren.
00:18:20: Wie meinte er es?
00:18:21: Stell dir einen Unternehmen mit fünfhundert Mitarbeitern vor.
00:18:24: Wenn jeder einzelne von denen durch eine kleine App im Durchschnitt nur lächerliche zwei Stunden pro Monat einspart, das sind drei Minuten am Tag...
00:18:32: Das ist ja gar nichts!
00:18:33: Richtig?
00:18:34: Aber dann passiert etwas Magisches.
00:18:38: Das Unternehmen gewinnt aufs Jahr gerechnet plötzlich zehntausend wertschöpfende Stunden zurück.
00:18:46: Das entspricht der Arbeitskraft von mehreren Vollzeitangestellten, die du auf dem leeren Fachkräftemarkt gar nicht erst rekrutieren musst.
00:18:53: Und was man beim ROI auch nie vergessen darf sind die Kosten der Nichtakzeptanz!
00:18:58: Also was kostet es wenn hochqualifizierte Talente kündigen weil sie keine Lust mehr auf veraltete Masken haben?
00:19:04: Ein riesiger Faktor heute...
00:19:06: Oder was kostet eine Fehlbuchung in Millionenhöhe, nur weil jemand in Zeile vierhundert seiner Exel-Liste verrutscht ist?
00:19:12: Um diesen neuen Wert messbar zu machen brauchen wir völlig neue Leistungskennzahlen.
00:19:17: Die neuen Leitfragen müssen lauten – wie hoch ist unsere Makerquote?
00:19:22: also wieviel Prozent der Belegschaft bauen aktiv eigene kleine Lösungen?
00:19:27: und die zweite Metrik Die Time-to-Solution.
00:19:30: Wie viel Zeit vergeht von dem Moment, in dem ein Problem erkannt wird bis die Lösung auf den Bildschirm existiert?
00:19:37: Sind das Monate durch IT-Anträge oder Tage durch Eigeninitiative?
00:19:42: Die Theorie leuchtet absolut ein!
00:19:44: Aber... also was bedeutet das alles konkret für dich als
00:19:48: Zuhörer?!
00:19:49: Wie setzt du das als Führungskraft am kommenden Montagmorgen um ohne dass dein Team revoltiert?
00:19:54: Da gibt es einen Plan.
00:19:56: Ja Der Autor präsentiert eine hundert-Tage Roadmap, aufgeteilt in drei Phasen.
00:20:01: Phase eins – Tag Eins bis Dreizig ist die Initialzündung.
00:20:05: Man sucht ihr nicht die IT Nerds, man sucht nach den Leuchttürmen also den Leuten, die am allerlautesten über ihre kaputten Exelisten fluchen.
00:20:13: Deren Frust ist der beste Treibstoff
00:20:16: Genau!
00:20:16: Die nimmt man an die Hand und veranstaltet dann Showcase Tage.
00:20:20: In Phase zwei – Tag einunddreißig bis siebzig geht es um Befähigung.
00:20:25: Da wird das Center of Excellence als eine Art Service Desk etabliert, quasi wie die Genius Bar im Apple Store.
00:20:32: Und Micro-Learning ist da wichtig?
00:20:34: Richtig!
00:20:35: Kleine Lernhappen statt trockener Seminare.
00:20:37: und in Phase drei, Tag einansebzig bis hundert, wird skaliert.
00:20:42: Erfolge kommen in Zielvereinbarungen und ein Power Platform First Ansatz wird etabliert.
00:20:48: aber hier muss ich kritisch nachhaken.
00:20:50: Schieß
00:20:50: los.
00:20:51: Sind hundert Tage für einen echten Kulturwandel in einem traditionellen Mittelstandsunternehmen nicht völlig utopisch?
00:20:58: Das klingt für mich nach einem schicken Berater-Wunschtraum.
00:21:01: Kulturen ändern sich doch nicht in drei Monaten!
00:21:04: Die Skepsis ist berechtigt, wenn man denkt an Taghundert muss jeder Azubi ein fliesenprogrammierender Entwickler sein – aber das ist nicht der Anspruch.
00:21:12: Sondern?
00:21:13: Bundtrock verweist auf das Prinzip Sog statt Druck.
00:21:17: Du musst nicht hundert Prozent der Beleidschaft verändern.
00:21:20: Es reicht völlig, wenn in diesen hundert Tagen die ersten zwanzig Prozent diese motivierten Leuchttürme erste sichtbare Erfolge feiern.
00:21:29: Die werden dann zu Multiplikatoren?
00:21:31: Genau!
00:21:31: Wenn der Kollege merkt – Der Nachbar hat weniger Stress und macht weniger Überstunden – Dann entsteht positiver Neid.
00:21:39: Der Rest folgt völlig freiwillig.
00:21:42: Das Management muss in der Zeit eigentlich nur Schutz her sein Und den Innovatoren den Rücken frei halten.
00:21:47: Wenn wir all das zusammenfassen, ergibt sich ein sehr klares Bild.
00:21:51: Eine hochmoderne Technologie wie die Power-Platform ist im Jahr twenty-sixundzwanzig im Grunde nur das Nervensystem eines Unternehmens.
00:21:59: Es ist die Infrastruktur
00:22:01: Richtig
00:22:02: Aber die Belegschaft Die echten Menschen an den Schreibtischen Das ist der Körper.
00:22:06: Und wenn dieser Körper die Impulse aus Angst nicht annimmt nützt ihr die beste Infrastruktur der Welt gar nichts.
00:22:12: Architektur bauen isst die Pflicht aber den mentalen Kulturwandel zu orchestrieren Das ist die eigentliche Kühe.
00:22:19: Das hilft eine wichtige Frage auf, wenn wir diesen Gedanken mal in die Zukunft spinnen?
00:22:24: Wenn jetzt die ganz normalen Mitarbeiter anfangen ihre Prozesse selbst zu automatisieren wie verändert das langfristig die Rolle des Managements?
00:22:33: Das ist ein krasser Gedanke!
00:22:34: Ja, wenn Innovation und Effizienzsteigerung plötzlich völlig organisch bottom up aus der Belegschaft kommen Braucht man dann überhaupt noch dieses klassische mittlere Management, das nur Prozesse überwacht?
00:22:47: Demokratisierung der Unternehmensführung sozusagen.
00:22:50: Exakt!
00:22:51: Erleben wir hier den Anfang von etwas viel größerem?
00:22:53: Was für ein enorm starker fast schon provokanter Gedanke.
00:22:56: zum Abschluss wird der Manager der Zukunft vielleicht gar kein Kontrolleur mehr sein sondern nur noch einen Moderator von Innovationen?
00:23:04: Gut möglich
00:23:05: Ein fantastischer Punkt, über den du mal in einer ruhigen Minute nachdenken kannst.
00:23:10: Wir sind damit am Ende unserer heutigen tiefgehenden Allerlyse angelangt.
00:23:13: Vielen Dank, dass du dabei warst.
00:23:14: Hat großen
00:23:15: Spaß gemacht!
00:23:16: Und wenn Du am kommenden Montag wieder ins Büro gehst oder ins Homeoffice, dann achte doch mal genau darauf wer in Deinem Team am lautesten über seine kaputten Exelisten flucht – denn genau diese Person könnte mit etwas Vertrauen der wichtigste Citizen-Developer Eures gesamten Unternehmens werden.
00:23:32: Bis zum nächsten Mal.
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